Die meisten Autofahrer glauben, dass sie gut fahren. Doch diese 5 Fehler machen fast alle.

Ich bin Fahrlehrer, fahre mit einem Aston Martin auf dem Nürburgring und weise meinen Fahrschüler auf seine Fehler hin.

Die meisten Menschen halten sich für gute Autofahrer. Sie glauben, sich im Straßenverkehr sicher zu fühlen, und denken selten darüber nach, dass bestimmte Gewohnheiten ihre Fähigkeiten erheblich einschränken können. In meinen vielen Jahren im Motorsport und in der Fahrschulausbildung ist mir dabei ein Muster aufgefallen: Immer wieder tauchen dieselben Fehler auf. Und zwar nicht nur bei Fahranfängern, sondern auch erfahrene Fahrer machen sich darüber keine Gedanken.

Hier sind die fünf häufigsten Fehler.

Nr. 1: Zu nah vor das eigene Fahrzeug schaue

Das ist der häufigste Fehler überhaupt. Die meisten Autofahrer konzentrieren sich nur auf die wenigen Meter Straße vor der Motorhaube. Dadurch reagieren sie zu spät auf die Situation. Professionelle Rennfahrer verfahren genau umgekehrt. Sie blicken deutlich weiter nach vorne und bereiten sich frühzeitig auf das nächste Manöver vor. Je höher die Geschwindigkeit des Fahrzeugs ist, desto weiter muss der Blick gerichtet sein. Genau deshalb verbessert die richtige Blickführung nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Sicherheit.

Der Fahrlehrer demonstriert die richtige Sitzhaltung und die richtige Blickführung in einem Aston Martin
Die richtige Sitzhaltung und ein Blick weit nach vorne bilden die Grundlage für ein sicheres und präzises Fahren.

Nr. 2. Falsche Sitzhaltung und falsche Griffhaltung am Lenkrad

Viele Fahrer stellen ihren Sitz so ein, dass es für sie einfach bequem ist. Aber eine bequeme Sitzposition und eine korrekte Sitzposition sind nicht immer dasselbe. Es ist nicht ratsam, zu weit vom Lenkrad entfernt zu sitzen; man sollte sich am Lenkrad nicht strecken müssen, und die Arme sollten nicht gestreckt sein. Ein falscher Neigungswinkel der Rückenlehne und eine falsche Position der Hände am Lenkrad. Achten Sie besonders darauf, so tief wie möglich zu sitzen, damit Sie das Fahrzeug viel besser spüren können.

Der Ausbilder demonstriert auf der Rennstrecke den richtigen Griff am Lenkrad.
Die korrekte Handposition am Lenkrad verbessert die Lenkpräzision, die Reaktionsgeschwindigkeit und die Fahrzeugkontrolle.

All diese Kleinigkeiten wirken sich direkt darauf aus, wie gut der Fahrer das Fahrzeug spürt und kontrolliert. Sehr oft bemerkt man nach der richtigen Einstellung der Sitzposition ein Feedback des Fahrzeugs, das man zuvor einfach nicht gespürt hat.

Nr. 3. Falsche Fahrlinie

Die meisten Fahrer fahren Kurven intuitiv. Das Problem ist, dass die Intuition bei weitem nicht immer zur richtigen Fahrlinie führt. Infolgedessen muss man das Lenkrad stärker einschlagen, das Fahrzeug wird instabiler und das Gleichgewicht des Fahrzeugs wird gestört, was dann zu einem Unfall führen kann.

Ein Sportwagen auf der Rennstrecke während des Trainings auf der richtigen Fahrlinie
Die richtige Ideallinie bestimmt oft Geschwindigkeit und Sicherheit in einer Kurve.

Eine gute Fahrlinie ermöglicht es, die Fahrt gleichzeitig flüssiger, sicherer und schneller zu gestalten. Genau aus diesem Grund beginnen professionelle Rennfahrer ihre Arbeit an der Geschwindigkeit nicht mit dem Gas, sondern mit der Wahl der richtigen Fahrlinie.

Nr. 4: Schneller fahren, als es die eigenen Fähigkeiten zulassen

Dies ist einer der gefährlichsten Fehler. Viele Fahrer fahren schneller, als es ihre Fähigkeiten zulassen. Das Fahrzeug ist zwar in der Lage, schnell zu fahren, doch der Fahrer kann die Informationen nicht mehr rechtzeitig verarbeiten. Sein Blick hinkt hinterher. Es kommt zu unnötigen Lenkbewegungen. Die Fehler häufen sich einer nach dem anderen.

Fahrlehrer Dmitrij Owtschinnikow gibt ein Interview über Fahrtechniken im Motorsport.
Erfahrung im Motorsport und in der Fahrerausbildung hilft, typische Fahrfehler besser zu verstehen.

Das Problem ist, dass die Fähigkeiten des Fahrers der gewählten Geschwindigkeit noch nicht entsprechen.

Nr. 5: Unkenntnis darüber, wie sich die Bodenhaftung bei Regen verändert

Besonders gefährlich ist der erste Regen nach einer langen Trockenperiode. In dieser Zeit sammeln sich auf dem Asphalt Rückstände von Öl, Gummi, Kraftstoff und Schmutz an. Wenn es zu regnen beginnt, vermischt sich all dies mit dem Wasser und macht die Fahrbahn deutlich rutschiger. Genau deshalb sind die ersten Minuten des Regens oft gefährlicher als ein starker Regenguss eine Stunde später.

Aston Martin auf der nassen Fahrbahn der Nürburgring-Nordschleife während des Trainings.
Der erste Regen macht die Straße oft gefährlicher als ein heftiger Wolkenbruch.

Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass viele Fahrer nicht in der Lage sind, den Zustand der Fahrbahn im Voraus einzuschätzen.

Sie achten nicht auf glänzenden Asphalt, Fahrbahnmarkierungen, Spurrillen und Abschnitte mit unterschiedlicher Haftung.Die meisten Probleme beginnen schon viel früher. Es geht um die Blickführung, die richtige Sitzhaltung, das Einhalten der Fahrlinie sowie die Fähigkeit, die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen. Und natürlich um das Verständnis dafür, was zwischen dem Auto und der Straße vor sich geht. Genau diese Dinge unterscheiden einen wirklich guten Fahrer von jemandem, der einfach nur schon viele Jahre hinter dem Steuer sitzt.

 

Hallo zusammen! Mein Name ist Dmitri Ovchinnikov. Ich bin 26 Jahre alt, seit 2013 Berufspilot und seit 2017 Rennsport-Ausbilder.

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