90% der Autofahrer halten das Lenkrad falsch – ein Fehler, der zu schweren Unfällen in der Stadt und auf der Rennstrecke führt

Der richtige Griff am Lenker in der „9-und-3-Uhr“-Position

Ich habe mehr als 10.000 Fahrer ausgebildet. Ein Fehler am Steuer, den fast jeder macht

In 13 Jahren im Motorsport und 9 Jahren als Fahrlehrer auf Rennstrecken haben mehr als 10.000 Menschen an meinen Trainings teilgenommen

Und wenn man mich fragen würde, welchen Fehler ich am häufigsten korrigiere, würde die Antwort viele überraschen, denn es geht weder um das Bremsen noch um die Fahrlinie noch um den Gashebel.

Sondern um den Griff am Lenkrad.

Dabei machen diesen Fehler nicht nur Anfänger. Auch Besitzer von Sportwagen wie BMW, Porsche, Mercedes-AMG und sogar Leute, die bereits an Track-Days teilnehmen, begehen ihn regelmäßig.

Auf normalen Straßen bleiben die Folgen möglicherweise jahrelang unbemerkt. Doch bei hoher Geschwindigkeit, während eines Notmanövers oder bei Verlust der Bodenhaftung kann ein falscher Lenkradgriff den Fahrer das Wichtigste kosten – die Kontrolle über das Fahrzeug.

Ein Fehler, der Sekunden in einen Unfall verwandelt

Mir ist einmal ein Video untergekommen, das das Problem sehr gut veranschaulicht.

Ein Fahrer verlor auf einer Geraden beim Bremsen aufgrund eines falschen Lenkradgriffs die Kontrolle über sein Fahrzeug. Da seine Hände in der „10-und-2-Uhr“-Position bei hoher Geschwindigkeit ein ungewolltes Schwanken des Fahrzeugs begünstigen und schon bei der geringsten Lenkradbewegung bei einer solchen Bremsung der Verlust der Fahrzeugkontrolle vorprogrammiert ist.

Falsche Handhaltung am Lenkrad: 10 und 2 Uhr auf dem Zifferblatt
Die Abbildung zeigt anhand eines Zifferblatts die zwar gewohnte, aber falsche Handhaltung am Lenkrad in der „10-und-2-Uhr-Position“.

So etwas passiert sogar erfahrenen Fahrern, und das Unangenehmste daran ist, dass weder die Reifen noch die Federung noch die Motorleistung die Ursache waren. Die Ursache war der Fahrer, genauer gesagt seine Handhaltung.

Warum die meisten Menschen das Lenkrad falsch halten

Das Problem beginnt schon in der Stadt. Die meisten Fahrer lenken das Auto entspannt, eine Hand oben, den Ellbogen auf der Armlehne. Eine Haltung, die bequem erscheint, solange nichts passiert – und das funktioniert tatsächlich. Aber das Auto stellt den Fahrer nicht dann auf die Probe, wenn alles gut läuft. Es stellt ihn dann auf die Probe, wenn sich die Situation unerwartet entwickelt. Sei es eine Pfütze, Eis, ein plötzlicher Spurwechsel, ein Schleudern des Autos oder ein abruptes Ausweichen vor einem Hindernis. Genau in diesem Moment wird deutlich, inwieweit der Fahrer bereit ist, das Auto zu kontrollieren.

Was ich bei den meisten Fahrschülern beobachte

Wenn jemand zum ersten Mal zum Training kommt, überprüfe ich fast immer zwei Dinge:

  1. Die Sitzhaltung am Lenkrad
  2. Die Position der Hände am Lenkrad.

Meinen Beobachtungen zufolge machen die meisten Fahrer bei mindestens einem dieser Punkte Fehler. Oft ist man sich sicher, richtig zu sitzen. Doch sobald man ihn bittet, schnell ein Schleudern zu üben oder einem Hindernis abrupt auszuweichen, werden die Probleme offensichtlich.

Die Schultern heben sich von der Rückenlehne, die Hände geraten durcheinander, das Lenkrad wird zu spät und falsch umklammert, die Reaktion verlangsamt sich.

Warum professionelle Rennfahrer die „9-und-3“-Position verwenden

Die richtige Lenkradhaltung beim BMW beim Einfahren auf die Rennstrecke

Schauen Sie sich eine beliebige moderne Rennserie an – sei es GT3, DTM, Formel-Rennen oder Langstreckenrennen. Praktisch alle Fahrer halten das Lenkrad in der „9-und-3“-Position.

Diese Position ermöglicht es:

maximal schnell auf ein Schleudern zu reagieren

präzise Korrekturen vorzunehmen

das Auto schneller wieder auf die Ideallinie zu bringen

bei hohen Geschwindigkeiten die Kontrolle zu behalten

Genau aus diesem Grund befinden sich bei den meisten modernen Sportlenkrädern die Schaltwippen in diesem Bereich – und das nicht ohne Grund. Die Fahrzeugkonstrukteure wissen, wo sich die Hände des Fahrers befinden müssen.

So können Sie sich gleich jetzt selbst testen

Setzen Sie sich ins Auto und beantworten Sie einige Fragen:

  • Können Sie mit dem Handgelenk den obersten Punkt des Lenkrads erreichen, ohne die Schultern und Schulterblätter von der Rückenlehne zu lösen?
  • Befinden sich Ihre Hände in der „9-und-3“-Position?
  • Können Sie das Lenkrad schnell um einen großen Winkel drehen, ohne die Hände zu kreuzen?
  • Bleibt Ihr Rücken bei aktiven Lenkmanövern fest an die Rückenlehne gedrückt?
  • Werden Ihre Schultern und Ihr Nacken nach 15–20 Minuten Fahrt müde?

Wenn Sie auch nur eine dieser Fragen mit „Nein“ beantworten, sollten Sie Ihre Sitzhaltung und Ihren Lenkradgriff überdenken.

Der überraschendste Effekt des richtigen Lenkradgriffs

Das Fahrzeug lässt sich besser verstehen, das Gefühl, gegen das Auto ankämpfen zu müssen, verschwindet, das Fahrzeug reagiert vorhersehbar, das Lenken wird ruhiger und präziser. Genau dann beginnt der Fahrer, das Fahrzeug wirklich zu spüren.

Echte Kontrolle beginnt schon viel früher. Die Sitzposition ist die Grundlage der Kontrolle, und der Lenkradgriff ist das Werkzeug der Präzision.

Ein Rennfahrlehrer erklärt einem Schüler den richtigen Griff am Lenkrad und die richtige Sitzhaltung am Steuer eines BMW

Ohne diese Grundlage funktionieren weder sportliches Fahren noch die Vorbereitung auf Notfallsituationen noch das sichere Führen des Fahrzeugs auf normalen Straßen.

Bevor Sie also nach zusätzlichen PS suchen, überprüfen Sie eine einfache Sache.

Wie genau halten Sie das Lenkrad gerade in diesem Moment?

Hallo zusammen! Mein Name ist Dmitri Ovchinnikov. Ich bin 26 Jahre alt, seit 2013 Berufspilot und seit 2017 Rennsport-Ausbilder.

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