Ein Fehler beim Training, den ich selbst nach 13 Jahren noch sehe

Der BMW M2 steht neben den Boxen, Dmitrij Owtschinnikow lüftet nach dem Rennen die Bremsen.

Die meisten Fahrer sind überzeugt, dass sie alles richtig machen. Doch fast bei jedem beobachte ich denselben Fehler – praktisch schon in den ersten Minuten, noch bevor das Auto eine schnelle Kurve erreicht.

Ich bin seit 13 Jahren im Motorsport tätig und arbeite seit 9 Jahren als Fahrlehrer. Mehr als 10.000 Fahrer haben meine Trainings absolviert – Anfänger und erfahrene Rennfahrer, Besitzer von Serienfahrzeugen und Sportwagen. Um den Fehler zu erkennen, um den es hier geht, brauche ich weder Stoppuhr noch Telemetrie noch hohe Geschwindigkeit. Es reicht, zu beobachten, wohin der Blick des Fahrers gerichtet ist.

Ich habe mehr als 10.000 Fahrer ausgebildet. Die meisten sind überzeugt, dass sie schnell fahren – bis zur ersten Runde mit mir.

Ein Fehler, den fast niemand selbst bemerkt

Wenn jemand zum Training kommt, denkt er fast immer, das Problem liege bei den Reifen oder der Fahrlinie.

Tatsächlich beginnt alles schon viel früher: Die meisten Fahrer schauen zu nah vor das Auto. So nah, dass sie erst dann auf eine Situation reagieren, wenn sie bereits eingetreten ist.

Auf einer normalen Straße bleibt diese Angewohnheit lange Zeit unbemerkt. Doch sobald die Geschwindigkeit steigt, wirkt sie sich auf alles aus: auf die Laufruhe des Lenkens, auf die Fahrlinie, auf die Sicherheit.

Warum schnelle Fahrer „mit den Augen lenken“

Beachten Sie bitte, dass ich in dem POV-Video meinen Blick nach vorne gerichtet habe, bevor ich eine scharfe Rechtskurve gefahren bin.

Viele glauben, dass Geschwindigkeit mit den Händen erzeugt wird – durch Lenken, Bremsen und Gasgeben. Ja, aber eigentlich beginnt alles mit dem Blick.

Ein professioneller Fahrer schaut immer dorthin, wo sich das Auto in wenigen Sekunden befinden wird. Ein gewöhnlicher Fahrer schaut dorthin, wo sich das Auto gerade befindet.

Der Unterschied scheint gering. Doch genau er bestimmt die Qualität der Fahrzeugbeherrschung. Wenn der Blick weit nach vorne gerichtet ist, plant das Gehirn im Voraus die Fahrlinie und bereitet sich auf die nächste Aktion vor. Wenn der Blick auf den nächsten Straßenabschnitt geheftet ist, wird der Fahrer genau dorthin fahren – ohne vorauszudenken.

Das Video, das alles verändert

Beim Training filme ich meine Schüler oft mit der Kamera. Nach der Fahrt analysieren wir gemeinsam die Aufzeichnung. Dann stelle ich eine einfache Frage: „Wohin hast du in der Kurve geschaut?“

Die richtige Blickrichtung des Fahrers beim Fahren mit einem BMW auf einer Rennstrecke

Fast jeder ist überzeugt, weit genug nach vorne geschaut zu haben. Das Video zeigt etwas anderes: Wenn das Auto in die Kurve einfährt, bleibt der Blick in der Nähe der Motorhaube. Wenn man das zum ersten Mal von außen sieht, versteht man sofort alles.

Kürzlich kam der Besitzer eines Sportwagens zum Training, der überzeugt war, dass sein Hauptproblem die Fahrlinie sei. Die Videoanalyse zeigte: Fast während der gesamten Kurve schaute er nur wenige Meter vor das Auto. Wir haben weder die Fahrzeugeinstellungen noch die Lenktechnik verändert – nur die Blickrichtung. Schon nach wenigen Runden hatten sich die überflüssigen Lenkbewegungen deutlich verringert, das Durchfahren der Kurven wurde ruhiger und präziser, die Fahrlinie korrekter.

Warum das für jeden gilt, unabhängig vom Fahrzeug

Ein Schüler lernt im Porsche 911 GT3 den richtigen Blickgebrauch
Während des Unterrichts achte ich ständig darauf, wohin der Blick des Schülers gerichtet ist

Interessanterweise beobachte ich diesen Fehler regelmäßig nicht nur bei Fahranfängern. Er tritt auch bei Besitzern von Porsche, BMW M, Mercedes-AMG und anderen auf. Ob das Auto nun 20.000 Euro oder 200.000 Euro kostet – der Fehler bleibt derselbe. Denn die Kontrolle über das Auto beginnt nicht mit der Motorleistung. Sie beginnt damit, wohin der Blick des Fahrers gerichtet ist.

In meiner langjährigen Arbeit mit mehr als 10.000 Fahrern bin ich zu einer einfachen Erkenntnis gelangt: Wohin du schaust – dorthin fährst du auch. Deshalb korrigiere ich bei fast jedem Schüler in den ersten Minuten des Trainings die Blickrichtung.

Denn die wahre Kontrolle über das Auto beginnt nicht in den Händen. Sie beginnt mit dem Blick.

Das Wichtigste – kurz gefasst

  • Schau dorthin, wo das Auto in ein paar Sekunden sein wird – und nicht dorthin, wo es gerade ist
  • Der Blick liegt zu nah an der Motorhaube = verspätete Reaktion, mehr unnötige Lenkbewegungen
  • Dieser Fehler hängt nicht vom Fahrzeugtyp ab: Er tritt sowohl bei normalen Autos als auch bei Sportwagen auf
  • Eine Videoanalyse macht das Problem sofort sichtbar – meist reicht das schon aus, um es zu beheben
  • Die Arbeit am Blick ist oft effektiver als die Arbeit an der Lenktechnik oder der Fahrlinie – und genau damit sollte man beginnen

Wer gelernt hat, „mit den Augen zu lenken“, fährt nicht nur schneller – er fährt auch ruhiger und sicherer.

Hallo zusammen! Mein Name ist Dmitri Ovchinnikov. Ich bin 26 Jahre alt, seit 2013 Berufspilot und seit 2017 Rennsport-Ausbilder.

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