Fast alle Fahrer sind davon überzeugt, dass Geschwindigkeit beim Beschleunigen entsteht. Tatsächlich gelingt eine schnelle, saubere und stabile Runde aber auch durch richtiges Bremsen – genau hier machen viele einen Fehler.
Als Fahrlehrer korrigiere ich bei fast jedem Fahrschüler die Bremstechnik. Wer richtig bremsen kann, gewinnt automatisch an Geschwindigkeit und beherrscht die Technik korrekt.
Der häufigste Fehler: zu spät und zu abrupt
Anfänger bremsen in der Regel zu spät und treten dann abrupt aufs Bremspedal, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. In der Praxis kommt es dadurch zu Ruckeln bei der Gewichtsverlagerung, zum Blockieren der Räder und zu instabilem Fahrverhalten – genau dort, wo Stabilität besonders wichtig ist.
Die richtige Vorgehensweise: früher beginnen, zu Beginn aktiv, aber kontrollierter, mit einer sehr präzisen Lockerung der Bremse zu Beginn des Manövers. Ein präziser Bremspunkt ist jedem späten, abrupten Tritt auf das Bremspedal überlegen.
Grundtechnik
Hier geht es darum, mit maximaler Bremskraft zu arbeiten, ohne jedoch die Räder zum Blockieren zu bringen – also genau dort, wo der Reifen die maximale Verzögerung liefert, ohne durchzudrehen oder zu blockieren.
Ein dreiphasiger Prozess: Der Bremspunkt ist kein fester Punkt
- Kraftaufbau: Das Pedal wird nicht „getreten“, sondern innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde kontrolliert belastet – die Gewichtsverlagerung nach vorne erfordert einen Moment, um Grip zu erzeugen.
- Maximale Bremskraft: Sobald die Fahrzeugfront belastet ist, kann die volle Bremskraft aufrechterhalten werden, ohne dass die Räder blockieren oder das ABS eingreift.
- Lösen bis zum Kurveneinlauf: Die Bremskraft wird nicht abrupt, sondern behutsam nachgelassen, während das Fahrzeug in die Kurve einfährt.
Viele Anfänger suchen nach einem festen Bremspunkt – einer Markierung oder einem Kegel. In der Praxis verschiebt sich dieser Punkt jedoch ständig: abhängig von der Temperatur und dem Zustand der Reifen, der Straßenoberfläche, dem Wind und sogar dem Kraftstoffstand.
Deshalb orientieren sich erfahrene Fahrer nicht immer an einer festen Markierung, sondern am Gefühl der Verzögerung und der Geschwindigkeit – und passen den Punkt von Runde zu Runde an. Genau aus diesem Grund empfehle ich meinen Schülern, früher und mit einem Sicherheitspuffer zu bremsen.
Trail Braking – Bremsen bis kurz vor der Kurve
Dabei wird die Bremse vor der Kurve nicht vollständig losgelassen, sondern der Bremsdruck bereits beim Einfahren in die Kurve sanft verringert. Dadurch bleibt die Vorderachse länger belastet, was dem Vorderrad beim Lenken mehr Grip verleiht. Diese Technik erfordert Fingerspitzengefühl: Wenn man die Bremse während des Lenkens mit gleichbleibendem Druck zu lange betätigt, kann die Hinterachse ins Schleudern geraten. Daher eignet sich diese Technik eher für fortgeschrittene Fahrer.
Blick und Bremsen sind untrennbar miteinander verbunden
Reines Bremsen beginnt ebenfalls nicht mit dem Pedal, sondern mit dem Blick. Wer bereits während des Bremsvorgangs auf den Scheitelpunkt der Kurve schaut, wird alles sanfter und korrekter ausführen. Wer auf die Bremsmarkierung selbst schaut, neigt zu abrupten, verspäteten Korrekturen.
Die richtige Bremstechnik ist die Grundlage. Wer sauber bremsen kann, gewinnt zunächst an Sicherheit, und die Geschwindigkeit stellt sich von selbst ein.




