35 Euro statt 12,84 Euro: Der „Handbremstrick“ zockt Amsterdam-Touristen ab
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Am Amsterdamer Hauptbahnhof sorgen überhöhte Festpreise für Streit zwischen Fahrgästen und Taxifahrern.
Reisende am Amsterdamer Hauptbahnhof geraten bei Taxifahrten zunehmend in Kostenfallen. Eine Methode namens „Handbremstrick“ (niederländisch: handremmethode) hebelt den regulären Standplatzbetrieb aus und sorgt inzwischen für politische Debatten im niederländischen Parlament.
Wie der Handbremstrick am Taxistand funktioniert
Die Masche beginnt an der Spitze der Taxispur: Der erste Fahrer in der Reihe weigert sich, kurze Strecken zu übernehmen, da er auf lukrative Langstrecken wartet. Er rückt nicht vor, verlässt den Standplatz nicht und blockiert sprichwörtlich mit angezogener Handbremse die Warteschlange.
Ein nachfolgender Fahrer bietet sich schließlich für die Kurzstrecke an, verlangt dafür jedoch einen extrem überteuerten Festpreis. Ortsunkundige Touristen können kaum einschätzen, was die Fahrt nach Taxameter tatsächlich kosten würde. Brancheninsider vermuten gezielte Absprachen unter den Fahrern, handfeste Beweise fehlen den Behörden bislang.
Verdeckte Tests: Bis zu 35 Euro für Minimalstrecken
Wie gravierend das Problem ist, belegte der Amsterdamer Lokalsender AT5 durch verdeckte Kontrollfahrten. Bei 13 von 15 Testversuchen forderten die Fahrer überhöhte Pauschalen für kurze Distanzen.
Vier Fahrer verweigerten die Beförderung komplett, sobald die Reporter auf das Einschalten des Taxameters bestanden. Für die Route vom Hauptbahnhof zum Noordermarkt wurden teils 35 Euro verlangt – regulär hätte die Strecke nach den offiziellen Tarifen rund 12,84 Euro gekostet. Am Nieuwmarkt wurden für Fahrten von unter fünf Minuten pauschal 20 Euro aufgerufen.
Politik leitet Untersuchung ein
Die VVD-Abgeordnete Bente Schutz konfrontierte die niederländische Regierung mit 18 parlamentarischen Fragen zur Marktkontrolle und bestehenden Gesetzeslücken. Verkehrsstaatssekretärin Annet Bertram kündigte daraufhin eine behördliche Untersuchung zu überhöhten Preisen an Standplätzen an, die im Herbst 2026 startet. Neben rechtlichen Anpassungen prüft das Verkehrsministerium auch eine stärkere Haftung von Vermittlungsplattformen.

Meldungen bei der Transportaufsicht
Bei der Aufsichtsbehörde Inspectie Leefomgeving en Transport (ILT) gingen über einen Zeitraum von fünf Jahren 140 Betrugsmeldungen ein. Diese umfassen überhöhte Tarife, Manipulationen an Taxametern und Fahrerkarten sowie Hinweise auf nicht lizenzierte Fahrer. Eine genaue statistische Aufschlüsselung nach Städten oder der Handbremsmethode existiert in den Registern bisher nicht.
Rechtliche Preisobergrenzen in den Niederlanden
Für Standplatztaxis schreibt der Gesetzgeber Höchsttarife vor. Für reguläre Pkw mit maximal vier Fahrgästen liegen die Obergrenzen bei folgenden Werten:
- Grundpreis: maximal 4,31 Euro
- Kilometerpreis: maximal 3,17 Euro
- Zeitpreis: maximal 0,52 Euro je Minute
Fahrpreise müssen sowohl innen als auch außen am Fahrzeug gut sichtbar angebracht sein. Ein Festpreis ist gesetzlich nur wirksam, wenn er vor Fahrtantritt ausdrücklich zwischen Fahrer und Fahrgast vereinbart wurde. Andernfalls ist die Abrechnung über den Taxameter zwingend vorgeschrieben.
Da viele Fahrer abwechselnd an Standplätzen und über Apps arbeiten, variieren die rechtlichen Nachweispflichten für Kontrolleure. Fahrgäste sollten stets vor dem Einsteigen auf das Taxameter bestehen und sich im Streitfall Kennzeichen, Taxinummer, Uhrzeit und Quittung für eine Beschwerde notieren.
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