Reifendruck: Eine Lektion, die ich jedem neuen Schüler beibringe

Ein Schüler mit Helm hockt sich hin und überprüft das Rad eines blauen BMW M2 in der Box, im Hintergrund sind weitere Rennwagen und Zuschauer an der Streckenabsperrung zu sehen.

Die meisten Schüler machen sich vor ihrem ersten Tag auf der Rennstrecke kaum Gedanken über den Reifendruck. Sie stellen die Werkswerte ein – und das ist in Ordnung. Genau das ist einem meiner Schüler erst kürzlich passiert – und hätte böse enden können.

Seine erste Rennstreckensession

Er fuhr mit dem werkseitigen Reifendruck auf die Strecke. Schon in der ersten Kurve geriet das Auto ins Schleudern. Völlig ratlos kam er zu mir: „Was ist los?“

Meine erste Frage: „Wie hoch ist der Reifendruck?“ Er überprüfte ihn: 3,1 bar bei einer Reifentemperatur von 80 °C. Ich sagte zu ihm: „Bist du verrückt geworden? Lass Luft ab auf 2,2!“

Er ließ Luft ab – und das Auto war wie ausgewechselt. Es ließ sich präzise lenken, die Fahrlinie war gut, als würde er in einem anderen Auto sitzen. Das beobachte ich sehr oft bei meinen Schülern, und sie ändern sofort ihre Herangehensweise.

Den Werkswert findet man normalerweise an drei Stellen: auf dem Aufkleber in der Tür, auf dem Tankdeckel oder in der Bedienungsanleitung. Der Reifendruck ist keine Nebensache. Er ist der Schlüssel zu Geschwindigkeit, Sicherheit und Fahrspaß.

Warum sollte man den Reifendruck überhaupt im Auge behalten?Nahaufnahme des Vorderrads eines orangefarbenen BMW M mit rotem M Performance-Bremssattel, gelochter Bremsscheibe und Carbon-Splitter, aufgenommen nachts auf der Autobahn bei eingeschaltetem Scheinwerfer.

Der Reifendruck ist die einfachste und kostenlose Möglichkeit, das Auto schneller, sicherer und langlebiger zu machen:

· Haftung: Der Reifendruck bestimmt die Aufstandsfläche – je korrekter diese ist, desto besser liegt das Auto auf der Straße.

· Bremsweg: Falscher Reifendruck bedeutet zusätzliche Meter Bremsweg.

· Handling: Bei falschem Reifendruck „schwimmt“ das Auto und reagiert in Kurven unvorhersehbar.

· Reifenverschleiß: Ungleichmäßiger Reifendruck führt zu ungleichmäßigem Verschleiß – in der Mitte oder an den Rändern.

· Sicherheit: Falscher Reifendruck erhöht das Risiko von Aquaplaning oder Reifenpannen.

4 Fehler, die die Haftung und den Reifen ruinieren

Nahaufnahme des Reifenprofils mit deutlich ungleichmäßiger Abnutzung – ein Teil des Profils ist deutlich glatter als die benachbarten Rillen.

1. Überpumpte Reifen

Schon 0,5–0,7 bar zu viel machen den Reifen zu steif. Die Aufstandsfläche verringert sich, das Fahrzeug kann sich wie ein „Ball“ verhalten. Hinzu kommen schneller Verschleiß in der Laufflächenmitte und ein verlängerter Bremsweg.

2. Zu wenig Luft in den Reifen

Schon bei -0,3–0,5 bar wird der Reifen weich und neigt zu einer vorzeitigen Abnutzung der Flanken. Das Fahrzeug „schwimmt“, reagiert schlechter auf Lenkbewegungen und der Kraftstoffverbrauch steigt. Die Flanken nutzen sich schneller ab. Unterhalb von etwa 1,5 bar wird der Reifen „wie Wackelpudding“ – kein Halt in Kurven, Risiko von Schäden auf der Fahrbahn.

3. Die Temperatur ignorieren

Der Reifendruck ändert sich je nach Jahreszeit und Tagestemperatur – im Winter etwa 0,2–0,3 bar weniger, im Sommer mehr. Wer den Druck „im warmen Zustand“ misst und anhand dieser Werte einstellt, stellt morgens bei Kälte oft fest, dass der Reifen nicht ausreichend aufgepumpt ist.

4. Überall gleicher Druck

Auf der Rennstrecke wird der Druck oft „rundum“ angeglichen und anschließend korrigiert. Im Alltagsverkehr ist dies ein zu vereinfachter Ansatz: Der Hersteller berücksichtigt Masse, Beladung und Reifenbreite – die Werksangaben bilden die beste Grundlage. Der Verschleiß des Profils am Rand oder in der Mitte gibt Aufschluss darüber, ob eine Anpassung erforderlich ist.

Tipps von der Rennstrecke, die jedem Fahrer helfen

Nur im kalten Zustand messen. Nach der Fahrt dehnt sich die Luft aus – der Druck steigt um 0,3–0,5 bar. Wenn man in diesem Moment nachpumpt, ist der Reifen am nächsten Morgen wieder zu wenig aufgepumpt.

Man sollte immer ein eigenes Manometer dabei haben. Die Messgeräte an Tankstellen zeigen oft um 0,2–0,3 bar zu hohe Werte an, was sich tatsächlich auf den Bremsweg und die Fahrstabilität des Fahrzeugs auswirkt. Ein gutes Handmanometer ist nicht teuer. Reifendrucksensoren im Fahrzeug sind eine gute Ergänzung.

Auf Schnee und im Gelände den Druck leicht verringern. Auf losem Untergrund vergrößert ein niedrigerer Druck die Aufstandsfläche. Sobald Sie jedoch wieder auf Asphalt fahren, stellen Sie den Druck wieder auf den Normalwert ein.

Passen Sie den Reifendruck an die Fahrsituation an. In der Stadt: bei kalten Reifen nicht unter 2,2 bar, bei warmen Reifen in der Stadt nicht über 2,6–2,7 bar. Auf der Rennstrecke: bei kalten Reifen etwas niedriger, damit der aufgewärmte Reifen in den Arbeitsbereich kommt. Beim Driften: Ein niedrigerer Reifendruck (z. B. 1,8 bar im kalten Zustand) verhindert eine Überhitzung und sorgt für anhaltenden Grip. Professionelle Drifter fahren sogar mit 0,5–0,6 bar – das ist nur dank verstärkter Seitenwände möglich, die nicht von der Felge absteigen.

Für den Alltagsgebrauch nicht zu hoch pumpen. Übermäßiger Reifendruck spart kaum Kraftstoff, macht das Fahrzeug jedoch steif, lässt es auf Unebenheiten „hüpfen“ und verschlechtert die Haftung in Kurven – außerdem beschleunigt er den Verschleiß der Laufflächenmitte.

Reifen richtig lagern. Bei längerer Stilllegung sollte der Reifendruck zuvor auf etwa 3,0 bar erhöht werden – das entlastet die Karkasse und verhindert „eckige“ Reifen durch Standflecken. Separat gelagerte Reifen sollten an einem warmen, trockenen Ort aufbewahrt werden, sauber und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt.

Eine Infografik mit sechs Abbildungen zur richtigen und falschen Lagerung von Reifen: liegend gestapelt, stehend mit Felge und ohne Felge – jede ist mit dem Symbol „richtig“ oder „falsch“ gekennzeichnet.

Der Reifendruck ist der am meisten unterschätzte Faktor beim Autofahren. Eine kleine Anpassung kann mehr bewirken als jede Fahrtechnikübung.

Hallo zusammen! Mein Name ist Dmitri Ovchinnikov. Ich bin 26 Jahre alt, seit 2013 Berufspilot und seit 2017 Rennsport-Ausbilder.

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