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Owtschinnikow

Der neue VW ID.Cross vs. BMW i3s: Was die Zahlen nicht verraten

Ein Vergleich zwischen dem neuen VW ID. Cross und dem BMW i3s: Reichweite, Alltagstauglichkeit, Fahrspaß und Preis. Auto-News

Heute hat AutoScout24 den neuen VW ID.Cross vorgestellt: einen kompakten Elektro-SUV mit einer Reichweite von bis zu 436 km, ab rund 28.000 Euro. Ich habe 70.000 km mit dem BMW i3s zurückgelegt. Das macht mich zwar nicht zum Testfahrer des ID.Cross – aber es bietet etwas, das kein Pressetest ersetzen kann: echte Alltagserfahrung mit einem Elektroauto über mehrere Jahre hinweg.

Hier ist mein ehrlicher Vergleichstest.

Reichweite: Theorie versus Praxis

VW ID.Cross: bis zu 436 km (52-kWh-Akku, NMC).

BMW i3s: offiziell etwa 310 km. In der Praxis: im Sommer etwa 280 km, im Winter bei null Grad – etwa 180 km.

Ein BMW i3s bei Nacht mit eingeschalteten LED-Scheinwerfern.

Das ist das Erste, was man verstehen muss: Die Reichweite auf dem Papier und die tatsächliche Reichweite im Winter sind zwei völlig verschiedene Welten. Ich gehe davon aus, dass der ID.Cross im Sommer seine rund 400 km beibehält. Im Winter, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, würde ich eher mit 250–280 realen Kilometern rechnen. Das ist keine Schwäche des ID.Cross – das liegt in der Physik der Lithium-Ionen-Akkus.

Im Stadtverkehr spielt das fast keine Rolle. Nachts aufladen, tagsüber fahren. Wer aber regelmäßig lange Strecken auf der Autobahn zurücklegt, muss genauer hinschauen – insbesondere beim Thema Aufladen.

Aufladen: Hier liegt der entscheidende Unterschied

Davon sprechen alle – und das nicht ohne Grund.

VW ID.Cross: maximal 105 kW Gleichstrom-Schnellladung (große Batterie).

BMW i3s: maximal 50 kW Gleichstrom-Schnellladung.

Auf dem Papier hat der ID.Cross eindeutig die Nase vorn. In der Praxis ist das Bild jedoch komplexer.

Ich habe meinen i3s fast ausschließlich zu Hause an einer normalen Steckdose aufgeladen. Keine Schnellladestationen, kein Stress, kein Warten – einfach eingesteckt, geschlafen, morgens voll aufgeladen. Die monatliche Stromrechnung war sehr gering.

Das Heck des BMW i3s mit eingeschalteten LED-Rückleuchten bei Nacht im Parklicht.

Wer sein Elektroauto als Stadtfahrzeug und für den täglichen Weg zur Arbeit nutzt, braucht im Alltag so gut wie nie die 105-kW-Gleichstromladung des ID.Cross. Wer regelmäßig auf der Autobahn unterwegs ist – der braucht sie. Und 105 kW im Jahr 2026 sind, ehrlich gesagt, kein Grund zum Stolz. Chinesische Konkurrenten in dieser Preisklasse bieten bereits 130–150 kW an. Das ist eine offensichtliche Schwäche des ID.Cross.

Kosten: Was in der Realität bleibt

VW ID.Cross: ab 28.000 Euro.

Was ich nach 70.000 km sagen kann: Ein Elektroauto kostet im Stadtbetrieb im Unterhalt nur sehr wenig im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Für den ID.Cross gilt dasselbe Prinzip. Wer den Einstiegspreis von 28.000 Euro mit den Betriebskosten eines vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor über fünf Jahre vergleicht, erhält ein anderes Bild. Vor allem, wenn man zu Hause aufladen kann.

Fahrgefühl: Was die technischen Daten nicht widerspiegeln

Hier wird es persönlich.

Der i3s ist ein Stadtauto, das sich aber nicht so anfühlt. Das sofortige Drehmoment des Elektromotors – ohne Verzögerung, ohne Hochdrehen – muss man spüren. Man fährt anders. Reaktionsschneller, direkter.

Ein BMW i3s in einer schwarz-weißen Zweifarbenlackierung, der auf einer Stadtstraße geparkt ist
Der BMW i3s ist dank seiner Karbonkarosserie, seines Hinterradantriebs und seiner kompakten Abmessungen nach wie vor eines der außergewöhnlichsten Elektroautos für den Stadtverkehr.

Ob der ID.Cross dieselben Eindrücke vermittelt – hängt von der gewählten Motorvariante ab. Mit 155 kW (211 PS) sollte er das. Mit 85 kW (116 PS) wird er solide, aber nicht mitreißend sein.

Was mich am i3s wirklich überrascht hat: Man kann ihn ins Schleudern bringen. Nicht auf einer normalen Straße – aber auf einem geeigneten Gelände zeigt der Elektromotor, dass er mehr kann, als nur in der Stadt herumzufahren. Ich denke, die leistungsstärkeren Versionen des ID.Cross sind dazu ebenfalls in der Lage – aber das ist nur eine Vermutung und kein Test.

Was ich kaufen würde – und warum

Nach 70.000 km und allem, was ich im Alltag über Elektroautos gelernt habe, lauten meine ehrlichen Schlussfolgerungen:

Für die Stadt und kurze Fahrten: Beide Autos schlagen sich gut. Der ID.Cross hat den besseren Innenraum, mehr Platz und einen niedrigeren Einstiegspreis. Der i3s hat mehr Charakter und ein einzigartiges Design.

Für regelmäßige Autobahnfahrten: Weder das eine noch das andere ist die erste Wahl. Der ID.Cross mit 105 kW Ladeleistung kommt dem Ziel näher – aber wer wirklich viel auf langen Strecken unterwegs ist, sollte sich nach 150+ kW umsehen.

Was beide gemeinsam haben: Sie zeigen, dass ein Elektroauto im Alltag günstiger, unkomplizierter und unerwartet spaßiger sein kann, als man erwartet. Das war meine wichtigste Erkenntnis nach 70.000 km. Und ich denke, viele ID.Cross-Besitzer werden in ein paar Jahren dasselbe sagen.

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